Sinnsuche
Die Sinnsuche hat in den vergangenen Jahrzehnten einen wahren Höhenflug erlebt, in einer Zeit, in der gerade die Hervorhebung des bewussten Verstandes, die Abhängigkeit von intellektuellen Schlüssen, die sich am objektiv Gegebenen zu orientieren haben, von unserer Leistungsgesellschaft gefordert werden. Es scheint ganz so, als ob dem Triumph des rationalen und technokratischen Geistes die innere Unsicherheit und die bedrängenden Zweifel des Menschen gegenüberstehen: der Zweifel an den Werten der immer größeren Eingriffe in natürliche Lebensbedingungen und die innere Sehnsucht als kompensatorisches Ventil zu einem Verständnis zu sich selbst.
Der kollektive Schatten
Die Implikationen des Beobachtereffektes, eines Hauptlehrsatzes aus der Quantenphysik, besagt, dass der Akt der Beobachtung selbst die scheinbar objektive Wirklichkeit, die beobachtet wird, verändert.
Das bedeutet analog: Wenn der Sinn des Lebens unbestimmt ist, dann hängt es von der Sichtweise des Beobachters ab, wie und wo er den Sinn des Lebens definiert. Wahrnehmung manifestiert Wirklichkeit, und Wirklichkeit manifestiert Wahrnehmung. Das war es, was schon die alten Griechen und christlichen Mystiker wussten:
Wie wir beobachten, bestimmt die Wirklichkeit, die wir wahrnehmen. Verändern wir das Wie, verändern wir das Was.

Wenn wir also verstehen wollen, warum die Welt so ist, wie sie ist, müssen wir zu den Anfängen der Menschen zurückblenden, zu den Ursprüngen, als der Mensch begann, zu denken und sich mit seiner Umwelt bewusst auseinanderzusetzen, denn am Anfang reagierte die Instinktnatur: die Schleife Fressen oder Gefressenwerden. Mit der evolutionären Entwicklung hat sich der Mensch sozialisiert und damit seine Instinkte kultiviert. Der Mensch wurde zum vernunftbegabten Wesen, weshalb von ihm erwartet wird, dass er seine Antriebe steuern kann, dass er für andere berechenbar ist, Zuverlässigkeit zeigt. Doch heute, am Wendepunkt unserer Entwicklung angelangt, da, wo uns die Errungenschaften unserer eigenen Kultur plötzlich gefährden, mag manch einer auch erahnen, welchen Preis wir dem Schatten oder Teufel für den Fortschritt zu zahlen haben, denn das, was uns bedroht, ist gleichzeitig das, was uns nährt: Ohne den zerstörenden Wachstums-mechanismus, dem wir ausgeliefert sind, wären wir schon heute nicht mehr lebensfähig.