Akronos - Bewusstwerden im Sein
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Der Akron Tarot von Akron, Künstlerkarten von S.O. Hüttengrund

Erscheinungsdatum: 2004
Versandfertig in: ca. 5 bis 10 Tage
ISBN: 3-905372-21-2
Einband: Softcover, 80 Karten plus Legeplan in Schuber
Seitenzahl: 395 Seiten
Sprache(n): Deutsch
Rezension
Spuren Winter 2006
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Leseprobe

... gelungen, das System zu erweitern und neue Türen zu öffnen. Dieses Buch verbindet mephistophelische Reflexion mit hintergründigem Schalk zu einem philosophischen Geist, der sich psychologisch einfühlend durch bislang unerforschte Seelenbereiche bewegt und sich in tiefschürfenden und gleichzeitig verständlichen Texten manifestiert. Dabei gelingt eine geniale Verbindung zwischen der Enthüllung der menschlichen Schatten und der pragmatischen Hilfestellung bei der Lösung von Konflikten.
Erstmals gibt es hier eine Interpretation des weiblichen Teufels, eingeführt in Form einer NEUEN, zweifach zu deutenden Karte: Die dunkle Seite in der Seele der Frau als SCHWARZE GÖTTIN, und die Spiegelung der dunklen Mutter aus Sicht des Mannes als SCHARLACHROTE ANIMA.
Mit einer zweiten NEUEN Karte tritt der verborgenste aller menschlichen Schatten in den Fokus des Lichtes: Der verletzte und sich selbst zerstörende Aspekt der Seele als multiple Persönlichkeitskarte DAS DUNKLE KIND.
In einzigartigen Streitgesprächen verhandeln Kronos, der saturnale Staatsanwalt und Hüter der Tradition, und Advocatus Diaboli die Bedeutung der Karten der Grossen Arkana vor dem Hohen Gericht - alte Lehrmeinungen werden ergötzlich in Frage gestellt.
Die Deutungsebenen nach Kriterien wie Beruf und Finanzen, Liebe und Beziehung, Magie und Spiritualität werden eingehend erläutert und erstmals ausführlich aus umgekehrter Sicht geschildert.




XV/I Die Schwarze Göttin


Grausamkeit, Rachelust, weibliche Dominanz


Die dunkle Seite in der Seele der Frau
Wenn der Teufel die dunkle Seite aus der Sicht des Mannes ist, dann ist die Schwarze Göttin die dunkle Seite aus der Sicht der Frau. Da diese Karte in keinem traditionellen Deck auftaucht, darf man annehmen, dass der dunkle Teil der Weiblichkeit seit der Ablösung der Zeiten des Matriarchats erfolgreich bekämpft und unterdrückt worden ist, denn in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaftsstruktur flößt sie all denen Angst ein, die sich ihrer eigenen weiblichen dunklen Seelenanteile nicht mehr erinnern. Doch ausrotten lässt sich die Schwarze Göttin nicht, denn sie stellt die dämonische Seite der Gefühle bezogen auf die verdrängte Seite des Teufels dar (also den weiblichen Schatten des männlichen Teufels, der sich verwandelt in Lust auflöst). Sobald sich die doppelt unterdrückte Lebensenergie im Spiegelbild des Teufels der eigenen Vernichtung in Gestalt des verdrehten Schattens (verdrängte Göttin) hingibt, geschieht Heilung, indem die dunkle Seite der Seele im Akt der Verschmelzung wieder angenommen bzw. auf den Kopf gestellt wird.
Die verdrängte Göttin im Spiegel der Seele



Karte

Auf dieser Karte ist das dunkle Gesicht der Schwarzen Göttin mit dem Medusenhaupt zu erkennen. Symbolisch stehen die Schlangenhaare für die Aspekte der Macht, der absoluten Dominanz, einer rachesüchtigen Blutrünstigkeit und der Lust an Gewalt. Die Schlangen sind die Fangarme der Göttin, mit denen sie die Seelen der Menschen in ihren Dunstkreis zieht, und ihr durchdringender Blick lässt die Ahnungslosen versteinern - nun gibt es kein Entrinnen mehr. Vor ihr sehen wir ein reflektierendes Gewässer und darin spiegelt sich die schreckliche Medusa in Form einer wunderschönen Gestalt. Doch die betörende Schönheit, die in umgekehrter Lage erscheint, ist nicht eine der Masken der Göttin, sondern es ist das Bild der Göttin selbst, das sich durch die Maske des Betrachters zeigt: Sie verkörpert die dunkle, abgespaltene seelische Anlage des Mannes für das Weibliche (vgl. Die scharlachrote Anima). Denn wenn der Teufel im Mann die Frau vergewaltigt, um seine Macht zu beweisen und seinem Trieb zu frönen, dann vernichtet die aus unterdrücktem Selbsthass entstandene Dämonin ihre Beute langsam und subtil. Sie treibt das Opfer durch ständigen Psychoterror und raffinierte verbale Quälereien langsam aber sicher an den Rand des Wahnsinns und weidet sich selbstherrlich an der eigenen Macht und Rachelust. Für Außenstehende ist es schier unmöglich, hinter ihren verschiedenen Gesichtern nicht die eigenen Höllen zu erkennen, denn ihre Augen spiegeln immer die Abgründe, die man von außen in sie hineinprojiziert.
Blättern wir zurück: In früheren Zeiten brachte man der Mutter Tod oder der dunklen Göttin regelmäßig männliche Menschen- und Tieropfer dar. Deshalb ist auch Opfer- und Sexualmagie in erster Linie der Bereich des Weiblichen. Es gibt viele Mythen von Göttinnen, bei denen Krieger sexuelle Einweihung erfuhren. Noch im alten Ägypten galt der Kult der Schwarzen Isis als die bedeutendste Mysterienfeier. Junge Priester oder auserwählte Männer wurden rituell der Fruchtbarkeit der Göttin geopfert. Dann galt diese Sitte als barbarisch und wurde in den aufkommenden Religionen durch Märtyrertode und heilige Kriege ersetzt. An der Opferung hat sich also nicht viel geändert. Nur die Gründe dafür wurden umbenannt. Jede Baugrube, die aus der Erde ausgehoben wird, jeder Sumpf, der trockengelegt wird, jeder Mensch, der durch die medizinischen Höchstleistungen unserer heutigen Zeit an einer eigentlich tödlichen Krankheit nicht stirbt, ist zugleich ein Akt der Rebellion gegen sie, die sich als Ausgleich immer neuer, komplexerer Leiden (wie etwa Krebs oder Aids) bedient, um die leibliche Vergänglichkeit wieder ihrem natürlichen Zyklus zuzuführen. Der Einfluss der Göttin und die natürliche Sterblichkeit, die wir Menschen nicht zulassen, kommt durch unsere selbst erschaffene Zivilisation wie ein Bumerang zu uns zurück - sei es durch die Vernichtung der Natur oder Kriege mit chemischen Kampfstoffen oder Nuklearenergie. So dominiert heute nicht mehr die Göttin, sondern ihr Schatten, die dunkle Schwester, als weiblicher Dämon aus dem Untergrund. Sie verkörpert den vom Herrscher abgespaltenen Teil der Natur, der wieder ins Leben zurück will. Und vor allem will sie die ihr gebührende Macht zurück, die aus dem Bewusstsein der Menschen gerutscht ist. In den letzten Jahrhunderten konnte sie nur im Verborgenen wirken - dort aber umso grausamer. Verdreht lebte sie in blutrünstigen Phantasien christlicher Gelehrter als Furcht vor Hexerei und der sexuellen Kraft des Weibes weiter, denn sie verkörpert nicht die lustvolle, sondern die seit patriarchalischen Zeiten peinvoll vergewaltigte Frau, die unbewusst ihren Peiniger sucht, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen. In ihrer Phantasie schärft sie dem Täter mit gnadenloser Härte ein, dass es ihm weder gelingen wird, ihre Verletzung zu stillen noch durch sein Opfer Erlösung zu finden, und mit Faszination und Schrecken lässt sie ihn ständig in das Gesicht der hellen und dunklen Isis blicken, ohne dass er je sicher sein kann, ob er dem Guten oder dem Bösen, der heilenden oder der zerstörerischen Kraft begegnet. Sie verkleidet ihre Forderungen so geschickt, dass er glaubt, sie dienten seiner Erlösung und der einzige Weg zur Verdammnis wäre der, ihr sexuelles Begehren nicht huldvoll erfüllen zu können. Davon hängt letztlich ihr psychisches Überleben ab, denn nur solange er sich in ihrer Schuld wähnt, kann ihr sein Opfer zum Lustgewinn dienen. Dabei bedient sie sich der Strategie einer Spinne. Sie handelt nicht im Affekt oder Trieb und aus der groben Körperkraft heraus. Sie plant umsichtig die Art und Weise, wie sie den Menschen vernichten will. Dann webt sie in aller Ruhe ihr Netz, setzt sich mitten hinein, wartet ab und sieht genüsslich zu, bis sich ihre Beute darin so verfangen hat, dass sie ihr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Immer tiefer wird der Fang in die sexuellen Netze ihres Spinnengewebes verstrickt, und allmählich fühlt er sich darin so sicher und geborgen, dass er den Boden unter den Füßen verliert, sobald er das Nest verlässt und sich außerhalb begibt. Schnell kehrt er zurück, um die Fäden, an denen er als Marionette in ihrem Gespinst baumelt, wieder an den umsichtig führenden Geist der Göttin zu knüpfen. Oder sie lässt ihn als Marionette einfach zappeln, das Ziel der Verschmelzung als Belohnung immer vor Augen, um in der Nicht-Erfüllung seiner Wünsche Erfüllung zu finden.
Im Alltag wird sie sich als Strafe für einen Menschen die wunderbarsten, grausamsten kleinen Geschichten ausmalen und sie entweder in die Tat umsetzen oder vielleicht in Kriminalromane voller raffiniert geplanter Morde und Rachefeldzüge einfließen lassen, denn meist reicht ihr schon ein inneres Bild. Die Katze, das Tier der Hexen, spielt mit ihrem Opfer und dies entspricht dem Vorgehen der dunklen Göttin. Sie fängt ihre Beute, fügt ihr eine kleine Verletzung zu, dann lässt sie sie wieder los und schaut dabei zu, wie sie zu entkommen versucht. Dann fängt sie sie wieder ein, spielt mit ihr und lässt sie wieder los. Dieses Todesspiel kann lange dauern. Auch ein großer Krake spiegelt ihre feinfühlige Grausamkeit und tückische Gewalt. Er wohnt in den schwarzen, undurchdringlichen Tiefen des Meeres, kann den Fang mit seinen vielen Armen umschlingen und hinabziehen in die Dunkelheit, wo das Opfer erstickt. Die Schwarze Göttin liebt den Tod durch Ersticken oder Vergiften. Beim Ersticken breitet sie sich so aus, dass ihre Beute einfach keinen Platz mehr hat und sie ihr die Luft zum Atmen nimmt. Sie wird auch niemals diejenige sein, die einen Mann dazu bringt, eine Frau zu schlagen. Sie wird ihn dazu drängen, sie mit Wonne über einen langen Zeitraum hinweg zu quälen. Will sie den Kerl aber umgekehrt bestrafen, dann nutzt sie mit Vorliebe ihr altes Machtmittel Sexualität. Sie weiß, dass er oft genug Sklave seines Triebes (Teufel) ist. Also spielt sie mit diesem Wissen. Sie kann ihn auf vielfältige Weise entmannen. Manchmal reicht bereits ein Wort der Geringschätzung über seine libidinösen Fähigkeiten und schon hat sie ihr Ziel erreicht. Sie kann ihn auch reizen und nach allen Regeln der Kunst erregen, um ihn dann mit einem kalten Lächeln grausam zurückzuweisen. Will er sich dann mit Gewalt nehmen, wonach er verlangt, dann wird sie im Anschluss nie mehr aufhören, ihn zu quälen und sei es, in dem sie nie mehr aus ihrer Opferrolle hinausgeht und ihn so ständig an seine Schuld erinnert. Denn als Opfer kann sie auf sehr heimtückische Art große Macht auf ihn ausüben - auch wenn sie sich damit genauso straft wie ihn.
Auf der hellen oder erlösenden Ebene ist die Schwarze Göttin außerdem eine große Meisterin im Wissen um Energieaustausch. So kennt sie viele Spielvarianten des Genusses und durchlebt die unterschiedlichsten ekstatischen Momente im Angesicht des Todes. Ihre Lust verkörpert die fordernde Seite der Weiblichkeit, deren entfesselte Kraft wie brodelnde Lava aus dem tiefen Inneren des sexuellen Vulkans hervorquillt und die Göttin mit dem Objekt ihrer Begierde im lustvollen Akt verschmelzen und verglühen lässt. Dies bedingt jedoch einen würdigen Feind, der die schmerzhafte Berührung der Hexe zu schätzen weiß. Einen Mann auch, der bereit ist, sich auf dem Altar der Ekstase ihrer sexuellen Folter hinzugeben, um sein Bedürfnis der Opferung als ein Zeichen der Versöhnung an die Göttin zu bekunden. Er weiß selbst, dass er sich ihr aus seinem männlichen Trieb heraus nicht nähern darf, sondern nur aus dem Vertrauen in die Kraft seiner eigenen Weiblichkeit, da er aus der Sicht seiner verletzten Anima seine eigene Männlichkeit ablehnt und nur durch die Hingabe an das Bild seiner dunklen inneren Göttin erlöst werden kann. Er ist sich auch bewusst, dass nicht Aussehen und körperliche Schönheit erotische Anziehungskraft besitzen, sondern sein makelloser Geist und sein unerschütterlicher Wille, der Großen Mutter zu dienen, um am Ende gemeinsam mit ihr in einem ekstatischen Tanz in neue Dimensionen zu fliegen. Gleichzeitig verfügt er über das nötige Einfühlungsvermögen, wie er ihr Herz und ihren Körper berühren und in Schwingung versetzen kann, denn er weiß auch, dass die Lust der Göttin die Brücke zur ewigen Zeugungskraft ist, die aus jeder Zelle des Universums funkelt. Sie lädt ihn ein, ihre Liebes- und Todesgrotte zu betreten, um im Moment der Verschmelzung, wenn sich Muttermund und Eichel küssen, selbst zum Urknall zu werden, aus dem Myriaden von Schöpfungsfunken neue Galaxien entstehen lassen. Im Moment der Vereinigung heben sich die Polaritäten auf, der Mann ist nicht mehr Mann, er ist König geworden, in dem die Kraft der Schwarzen Göttin lebendig geworden ist. Es ist nun einerlei, ob sie auf ihm tanzt oder unter ihm liegt, ob sie Göttin und er König ist oder ob sie umgekehrt in den entflammten Energien des anderen agieren: sie sind jetzt eins! Ihre Verbindung zu den Tiefen ist Ausdruck für ihren Bezug zum Ganzen geworden und zur ewigen Schöpfungsspirale des Stirb und Werde.


Kontroverse

Die Jungfrau als patriarchalisches Symbol
Die Grausamkeit, Rachelust und sexuelle Dominanz, die man uns Frauen in diesem Buch unterstellt, verletzen und empören mich zutiefst! Wir sind die Hüterinnen des heiligen Grals und unsere Aufgabe ist es, das Leben zu feiern und zu spenden. Das Töten besorgt der Mann - wie man problemlos an jeder Verbrecherstatistik ablesen kann! Er ist der Herr der Gewalt, Initiator von Kriegen, Vater über alle Strukturen und die Dualität. Zugleich ist er in der Lage, das Leben in einem früher nie gekannten Ausmaße durch seine Strategien zu unterstützen, und somit entscheiden seine (gesellschaftlichen) Kriterien, welches Leben beschützt wird und welches verfällt. Als Tempelgöttinnen und heilige Mütter sind wir rein in Körper, Seele und Geist. Nur ein edler Ritter darf sich uns nähern und uns berühren - indem wir ihn lieben und uns ihm hingeben, binden wir uns für immer an ihn. Doch nur dem würdigsten der heiligen Krieger schenken wir unsere Jungfräulichkeit: Gleichzeitig werden wir zu seinem Tempel, durch den er wirken und neues Leben zeugen kann. Für ihn leben wir in Reinheit und ordnen uns ihm unter, denn durch seine Gunst macht er uns zur Auserwählten, zur Trägerin des heiligen Samens und zur Mutter eines besonderen, des göttlichen Kindes! Dies ist zugleich das Geschenk, mit dem wir ihn milde stimmen, denn indem er uns an Kraft überlegen ist, sind wir ihm körperlich ausgeliefert.

Lilith-Kali als Ikone des Neuen Aeons
Welchen Täuschungen hast du dich geopfert, verwirrte Mutter, oder was ist geschehen, dass du die unterdrückenden Vorgaben deiner Peiniger unterstützt? Sind es gesellschaftliche Prägungen, die dich zwingen, eine brave, angepasste und unbedrohliche Maske zu tragen, um nicht aus dem Netzwerk religiöser Überlieferungen zu fallen, oder was für Beweggründe führst du ins Ziel, wenn du ständig versuchst, die Menschenfrauen zu domestizieren und in Evas unschuldigem Bild gefangen zu halten? In der patriarchalisch geprägten sozialen Struktur lösen unsere Gedanken und Absichten in all denen Angst aus, die sich ihrer eigenen weiblichen dunklen Seelenanteile nicht mehr erinnern. Um Heilung und Erlösung der seelisch Verkrüppelten zu erwirken, ist es unablässig, die Aufmerksamkeit auf deren abgespaltenen und bei anderen bekämpften Teil zu lenken und sie in die eigenen Abgründe zu stoßen. Denn wir werden die Machtbefugnisse, die wir den Männern gewährten, indem wir ihnen die Verantwortung für Auslese und Tod überließen, wieder zu uns nehmen. So verstanden mutieren wir Verdammten zu wahren Heilsbringerinnen, die in die Freiheit aus den gesellschaftlich aufoktroyierten Gepflogenheiten führen. Gleichzeitig sind wir uns des heißen, blutigen Schweißes als Zeichen unserer inneren Grausamkeiten, Machtansprüche und Gerissenheit bewusst und gelangen dadurch in den Genuss, unser gesamtes Energiepotenzial auszuschöpfen und die Ziele, die unserem ureigenen Wesen entsprechen, kraftvoll anzupeilen. Auch sind wir nicht gezwungen, Energien dafür zu verschwenden, um unsere Sexualität zugunsten unnatürlicher, abgespaltener Gottesbilder zu verdrängen. Bitte vergiss nicht, arme leidgeprüfte Schwester, die du verdammt bist, das lächerliche Bild einer von der Moral der Hohepriester kontrollierten Himmelskönigin darstellen zu müssen, dass die Kraft der Lust eine gewaltige Energie verkörpert, die ähnlich der Stärke der Naturgewalten eine reinigende und transformierende Wirkung hat. Ruchlos und grausam widerfahren wir mit denjenigen, die unsere Gunst verletzen: Wir erzwingen uns die Hingabe, indem wir sie demütigen und quälen und zur Lusterfüllung drillen. Doch die bedingungslose Hingabe opferbereiter Seelen nehmen wir als Würdigung unserer Kraft an und führen sie durch die dunkelsten sexuellen Abgründe zur Erlösung. Ist der Mann bereit, sich auf dem Altar der Lust unserer fordernden Energie hinzugeben, geschieht Heilung, indem wir die dunkle Seite seiner Seele im Akt der Verschmelzung zurücknehmen. Jede Frau, die willens ist, die Kraft der Göttin wieder offen in sich zu tragen und sich ihrer Macht anzuvertrauen, wird ihr größtes Geschenk empfangen – eine völlige Abwesenheit von Angst und die absolute Selbstbestimmung in tiefem Vertrauen zu sich selbst. Sie ist die Mächtigste von allen, und wahre Meisterschaft kann nur erlangt werden, wenn die dunklen inneren Kräfte nicht ausgeschlossen werden. Sie zeigt, was möglich ist, wenn sie nicht als grausame Dämonin in den Köpfen der Männern herumspuken muss, sondern einfach wieder das werden kann, was sie immer schon war: die Spinnerin am Schicksalsrad, die Leben nimmt und Leben zerstört und die menschlichen Fäden unerbittlich in den heiligen Kreislauf der Stirb- und Werde-Zyklen einbindet. Sie gebärt die Menschenkinder und verschlingt sie wieder. Auf alle erdenkliche Arten, die stets dem Leben dienen, führt sie sie immer wieder ihrer eigenen Sehnsucht zu: dem großen Mutterschoß.


Deutungen

Allgemein
Über die Karte Teufel treten wir nun in eine urweibliche Hölle ein: das Reich der Schwarzen Göttin. Sie ist eine wahre Hexe, aber nicht nur irgendeine Hexe, sondern die älteste, weiseste und erfahrenste von allen, kurz: die Mutter aller Hexen! Wie groß ihre Macht ist und war, sieht man heute noch daran, welch ungeheure Menge an Energie in der abendländischen Gesellschaft darauf verwendet worden ist, Frauen – besonders in Ausübung ihrer weiblichen Spiritualität – zu unterdrücken. Die dunkle Mutter ist die Schamanin, die den Magiern oder Hohepriestern in ihren seidenen Roben Unbehagen bereitet, weil sie aus ihrer Kraft heraus Zugang zu Bereichen der Magie hat, die diese nicht ohne weibliche Hilfe entfalten können. Sie ist auch die mächtige Zauberin, die in den patriarchalischen Religionen für ihre Macht verbrannt und in den Märchen als böse alte Frau verdammt worden ist. Heute spricht sie entweder als anklagendes Opfer oder rachedurstige Täterin aus der kollektiven Bewusstseinsmatrix der Menschen und fordert in der Seele Raum. Im Tarotspiel hat sie die stärkste feminine Kraft von allen Karten und ihre längst überfällige Präsenz ist eine große Chance für Frauen. Kein Archetyp lässt die weibliche Seele so in ihre Stärke kommen wie die lange unterdrückte, dunkle Mutter. Deshalb reagieren Frauen auf sie auch nicht mit halb so viel Unbehagen wie auf den Teufel. Nur sehr angepasste Damen mögen sich genauso wie die Männer fürchten, wenn sie in das Antlitz der Göttin sehen und so plötzlich ihre eigenen dunklen Untiefen erahnen, die sie bisher erfolgreich hinter dem schützenden Glauben von Harmlosigkeit verborgen hatten. Sie halten sich für liebe, sanfte Wesen, die ihre Legitimation als bessere Menschen dadurch erhalten, dass sie Frauen sind und somit nur etwa drei Prozent der Verbrecherstatistik ausmachen. Dabei spalten sie sehr erfolgreich die vielen kleinen und großen schwarzen Anteile von sich selbst ab, in denen sie lügen, betrügen, auf eine subtile oder offene Art gewalttätig oder grausam sind – zu sich selbst und anderen. Denn harmlos ist keine einzige Frau: harm-los bedeutet „ohne Harm“, ohne Schmerz zu sein. Die Schwarze Göttin ist alles andere als harmlos – sie kennt den Schmerz und sie weiß ihn anderen zuzufügen. Sie nennt die Dinge beim Namen, sie ist direkt und wohltuend gnadenlos. Sie schützt keinen schwachen Mann, in dem sie ihre eigene Kraft zurücknimmt, nur um nicht alleine sein zu müssen. Und sie schützt keine Frau vor der Verachtung, die sie für sich selbst fühlt, wenn sie dem Herrscher die Macht über sich gibt, weil sie sich nicht traut, ihre Kraft zu leben. Mit einem Wort: Die Göttin drückt Gefühle aus, die in der Öffentlichkeit wenig erwünscht, die aber nötig sind. Dass sie von ihr immer noch in ihren gesellschaftlichen Fesseln festgehalten wird, zeigt ihre Angst, dem Unbekannten und Dunklen zu begegnen.

Beruf und Finanzen
Entweder täuschen wir unsere Umwelt mit einer friedlichen, fast schwachen Ausstrahlung, während wir in Wahrheit das Geschehen durch subtiles Manipulieren bestimmen. Oder wir sind uns unserer dunklen Kraft, der eigenen Macht und der kreativen Energie bewusst und nutzen dieses Wissen und Potential gezielt dazu, um uns durchzusetzen und unseren eigenen Weg zu gehen. Sollten uns Arbeitskollegen, Auftraggeber oder der Chef respektlos und unwürdig begegnen oder versuchen, uns kleinzukriegen, werden wir es ihnen gnadenlos heimzahlen. Dabei ist die zwanglose Verströmung weiblichen Charmes unsere stärkste Waffe. Wir bemühen uns, so viele Menschen wie möglich auf unsere Seite zu bringen und mit diesem Netzwerk eine Intrige zu spinnen, um unser Ziel zu erreichen. Manchmal rächen wir uns auch nur virtuell, indem wir in unserer Fantasie alle möglichen blutigen Szenarien mit dem Opfer durchspielen. Gegen andere Frauen intrigieren wir unbarmherzig und versuchen, sie gegeneinander auszuspielen. Männer bringen wir über ihre Sexualität zur Strecke. Vielleicht locken wir sie mit unseren Reizen, um sie dann in ihrem Trieb abblitzen zu lassen. Oder wir lassen uns auf eine sexuelle Beziehung mit ihnen ein, um sie anschließend zu Versagern abzustempeln oder ihren Frauen reinen Wein einzuschenken, damit diese als Komplizinnen der Schwarzen Göttin die weitere Bestrafung übernehmen. Ziehen wir diese Karte, dann sollten wir wissen, dass die dunkle Mutter in unser Leben getreten ist. Wir geben alle unsere Verletzungen zurück, um sie nicht mehr hinterhältig von außen übertragen zu bekommen. Haben wir es bisher noch nicht getan, dann wird es jetzt höchste Zeit, dass wir unserer eigenen Wut, Rachesucht und Freude an der Macht ins Auge blicken.

Aus Sicht des Mannes
Auf die eine oder andere Art werden wir von unserer Umwelt gequält und schikaniert. Grundlage dafür ist die innere Ahnung, dass unser Streben nach Geld und Anerkennung nur eine Kompensation für einen unerfüllten beruflichen und emotionalen Zustand ist, nichts anderes als der Druck, uns so zu verhalten und Leistung bringen zu müssen, wie es von uns erwartet wird. Machen wir uns diesen Prozess nicht bewusst, bleiben wir womöglich ein Leben lang Opfer dieser Schuldgefühle und übernehmen damit auch nicht aktiv die Verantwortung für uns selbst. Kollegen, die sich nur nach den Vorstellungen und Erwartungen anderer richten, verbrauchen ihre volle Energie, um anderen zu zeigen, wie gut sie sind. Mit der dunklen Göttin im Seelengepäck sind wir gezwungen, die Geschehnisse als Projektion unserer selbst wahrzunehmen und uns so unseren Ängsten zu stellen, die aus der Übertragung unserer unausgelebten Dominanz entstanden sind. Wir suchen nicht mehr länger nach emotionaler Sicherheit durch das Materielle oder im Anstreben von Machtpositionen, die schlussendlich nur als Ersatzbefriedigung bezeichnet werden können, sondern wollen uns lieber mit unseren vom Urzustand abgeschnitten Gefühlen auseinanderzusetzen und für die Blockaden durch Schmerz, Wut und Frust (schmerzhafte) Lösungen finden. Im günstigsten Falle werden wir einer Frau, die die Schwarze Göttin offen lebt, problemlos die Führung überlassen. Wir spüren ihre Kraft und Souveränität und legen unsere Energie in ihre Hände. Dann sind im beruflichen Bereich völlig neue Wege der Kreativität offen für uns.

Liebe und Beziehung
Abhängigkeit, Sadismus und sexuelle Verstrickungen dieser Karte bringen uns mit den unbewussten inneren Zwängen in Kontakt. Das Ziel liegt aber nicht nur darin, dass wir ohne Bedingungen einfach um unserer selbst angenommen werden wollen. Frauen, die über eine starke Emotionalität verfügen und gleichzeitig starke sexuelle Verletzungen in sich spüren, neigen zu Fantasien, die relativ brutal sein können, weil sie einen starken Drang spüren, den anderen völlig zu beherrschen. Nur wenn der Partner reif und stark genug ist und zudem über die nötige Affinität verfügt, unsere Energie und Kraft bedingungslos annehmen zu können, haben wir eine Chance, eine unvergleichlich tiefe Liebe zu leben, die sich unabhängig von Verliebtheits-Projektionen entwickelt. Wir werden ihn mit tiefer Zuwendung verwöhnen und ihn in unser Zauberreich der Sexualität mitnehmen, wo wir mit ihm gemeinsam auf vielfältige Weise die Verschmelzung mit der Göttin zelebrieren. Doch über einen Mann, der diese wahre seelische Stärke, nach der wir uns sehnen, nur vordergründig ausstrahlt oder von seinem „Schwanz“ gesteuert wird, können wir nur verächtlich lachen. Gelingt es ihm aber, uns zu kränken oder gar zu verletzen, dann werden wir ihm das Leben zur Hölle machen. Wir schaffen es, ihn vor sich selbst zum absoluten Versager zu degradieren, indem wir ihm alle Energie rauben, sein Selbstdarstellungspodest demontieren und vor allem den Glauben an seine Potenz zerstören. Wir können ihn auch in der Rolle des Opfers beherrschen, indem wir ihn als Leidende ständig in die Verantwortung nehmen oder als Kranke durch die ständige Rücksichtnahme, die wir erzwingen, unsere ganze Familie dirigieren. Jedes lustvolle Gefühl wird im gleichen Moment, in dem es auftaucht, in das Fegefeuer von Pein, Folter, Schmerz und Leiden verwandelt, weil es durch die Brille unserer Enttäuschung nur im Dunkeln eine Gelegenheit zur Entfaltung hat. Wir erleben unsere Sexualität nicht auf tiefe befriedigende Weise, sondern vielmehr als das Stillen von Rachegefühlen. Nur durch das Quälen des anderen können wir unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte zum Ausdruck bringen.

Aus Sicht des Mannes
Es gibt zwei Möglichkeiten für Männer, die Schwarze Göttin zu leben. Wir können mit Freude ihrer Kraft dienen und das Terrain für sie sichern, damit sie in Ruhe zaubern kann. Davon werden wir wiederum profitieren und die alte karmische Schuld der unterdrückten Weiblichkeit in uns kann sich mit einem Gefühl der Befreiung zum Vorschein bringen. Die bewusste Fokussierung auf sie lässt uns gleichzeitig genau an dieser Stelle mit neuer Energie zu uns selbst und zur Geschlechtspartnerin in Berührung kommen. Sexuell geben wir unseren Trieb in den Dienst ihrer Kraft. So kann eine ganz starke Liebe und tiefe Verbundenheit in unseren Beziehungen wachsen, weil sich uns die Möglichkeit bietet, unseren natürlichen Zustand der Selbstliebe über die Göttin wieder zu finden. Dort, wo viel Selbsthass ist, befindet sich auch ein genauso großes Potential an Liebe und bietet uns die Chance, die stärksten Gefühle, die wir haben, bewusster zu erleben. Missbrauchen wir jedoch ihr Vertrauen und ihre Hingabe zur Befriedigung unserer persönlichen Triebe, dann lassen wir uns anschließend geradezu bereitwillig und sehr quälend von ihr als Stellvertreterin für unsere dunkle innere Göttin bestrafen - solange, bis wir bereit ist, uns mit dem Thema Schuld und Unschuld auseinanderzusetzen und unseren Teil daran zu tragen.

Magie und Spiritualität
Rufen wir die Schwarze Göttin im Spiegel dieser Karte in unser Leben, dann führt sie uns über die Wut und tiefste Schreckensbilder der Seele in die vollkommene Selbstständigkeit und Eigen-Macht, in der wir aus der Einheit der dreifaltigen Göttin heraus bestimmen, was mit unserem Schmerz geschieht. Damit erlösen wir nicht nur unsere eigene Weiblichkeit, sondern auch die Qual der Männer. Andererseits ist die energetische Rache, die wir üben können, verheerend, denn die dunkle Kraft paart sich hier mit dem Bereich der Magie, der von alters her in den Händen der Frauen lag. Es gibt ein magisches Ritual, das man das Netz der Spinne nennt und das als extremer Akt der Gegenwehr oder des Angriffs genutzt werden kann. Dieses Zeremoniell dient dazu, das Opfer energetisch einzufangen, es seinen Ängsten auszuliefern, ihm seinen Willen und die Lebenskraft zu rauben, ohne es jedoch physisch zu vernichten. Das Entscheidende daran ist, dass der Leidtragende, je mehr er sich anstrengt, zu entkommen, sich desto verfänglicher in den Fäden verstrickt, da alle Energien auf ihn zurückfallen. So endet er als Schatten seiner selbst – physisch lebendig, aber nicht wirklich am Leben. Das zeigt sehr anschaulich, welche Energie erwacht, wenn wir mit der erzürnten Schwarzen Göttin in Berührung kommen und die Wurzeln unseres Selbsthasses weiter verdrängen. Gerade dort, wo wir versuchen, unsere persönliche Stärke zu leben, besteht die Gefahr, dass unbewusste Emotionen in Form von Hass, Neid, Manipulation, Rivalität und Gewalt auftauchen. Sie spiegeln unser Bedürfnis, mit den tief verborgenen Gefühlen wieder in Kontakt zu kommen. In welcher Form sich diese Kraft auch immer manifestiert, ob sie in uns ist oder in unserem Umfeld, ob wir durch Manipulation in einer religiösen Gemeinschaft unseren Platz zu erkämpfen suchen oder andere Menschen im Schattenkampf vernichten wollen, mit ihr ist nicht zu spaßen. Sie ist ein Hinweis darauf, dass wir uns mit dieser Art von unstillbarer Rache schnell selbst zur Gefangenen machen.

Aus Sicht des Mannes
In patriarchalischen Religionen ist die Schwarze Göttin nur im Untergrund vorhanden, sie zeigt sich in erster Linie durch die erbarmungslose Unterdrückung weiblicher Macht. Mit der bewusst wahrgenommenen Kraft der Göttin hingegen können wir auf diese Zeiten zurückblicken und unserer nackten Angst, die als Auslöser für diese Taten diente und auch heute noch in uns existiert, ins Gesicht schauen. Wenden wir uns ab, dann brauchen wir viel Energie, um uns anderen gegenüber anzupassen und unsere Unzulänglichkeiten zu kompensieren. Wir werden unserer Lebensfreude beraubt und können unser Potential nicht voll ausschöpfen. Zudem werden wir von unserem natürlichen Urzustand der Selbstliebe abgeschnitten und an seine Stelle treten jetzt Gefühle von Schmerz und Frust. In der bewussten Auseinandersetzung mit der dunklen Mutter können wir uns jedoch – als Täter und Opfer – mit diesen abgespaltenen Emotionen versöhnen und Platz machen, damit sich Liebe und Selbstannahme wieder entfalten können. Entschließen wir uns, der Göttin zu dienen, können wir auch anderen Menschen helfen, die alten Gespenster der Vergangenheit aus ihren Seelenkammern ins Licht zu zerren und sie in sich zu beleben, damit sie gewürdigt und befreit werden können. Dabei durchlaufen wir viele Prozesse des Sterbens und der Wiedergeburt. Wenn wir magisch durch die Erfahrung des (symbolischen) Todes gehen, indem wir uns der Göttin hingeben, um noch strahlender als ihr Gefährte wiedergeboren zu werden, öffnen wir das Tor und leben die Antwort auf unsere ewige Bitte nach Erlösung.